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Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied zur Neuen Mittelschule
Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied zur Neuen Mittelschule
Die Gesetzesnovelle, die mit Jahresbeginn 2008 in Kraft getreten ist, ermöglicht einen individualisierten Unterricht aller 10- bis 14-Jährigen auf breiter und rechtlich gesicherter Basis.
Die jetzt schon bestehende gemeinsame Schule der 6- bis 10-Jährigen endet zu früh. Die weltweit früheste Trennung von Schülerinnen und Schülern in Österreich im Alter von 9,5 Jahren zwischen "akademischer" AHS- und „praktischer“ Hauptschul-Karriere hat sich als pädagogisch und gesellschaftlich nicht wettbewerbsfähig erwiesen. In diesem Alter sind die Begabungen und Talente der Kinder noch nicht vollständig erkennbar. Daher werden Schülerinnen und Schüler meist nach den Vorstellungen und Gefühlen der Eltern in den Schulen angemeldet. Durch die frühe Trennung gehen viele Begabungen und Talente verloren. Vor allem können Kinder aus bildungsfernen Schichten ihr Potenzial oft nicht ausschöpfen. Der Druck, der bei dieser frühen Trennung auf Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern entsteht, ist enorm und führt häufig zu falschen Bildungswegentscheidungen. Hohe Dropout-Quoten und hohe Nachhilfekosten sind Folgen dieser zu frühen Trennung. Nicht ohne Grund trennen alle anderen Staaten der EU (außer Deutschland) ihre Kinder zu einem späteren Zeitpunkt. Alle wichtigen internationalen und nationalen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte (Studien der OECD, PISA, …) zeigen negative Effekte früher Selektion und zwar für alle Begabungsspektren.
Da zu diesem – auf jeden Fall zu frühen – Zeitpunkt der Trennung das gesamte Spektrum der Begabungen und Potenziale eines Kindes noch nicht voll erkennbar und ausdifferenziert ist, sollen die sozialen Bindungen beibehalten werden und so Lernen ohne Entscheidungsstress ermöglichen.
Nein. Gerade in der Neuen Mittelschule steht die Persönlichkeit im Vordergrund. Durch den individuellen Zugang zum Entwicklungsstand des Kindes wird jedes Kind bestmöglich gefördert, wo es einer Förderung bedarf und dort wo bereits Begabungen, Wissen und Fertigkeiten gegeben sind in seinen Leistungen gestärkt und herausgefordert. Durch den auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler zugeschnittenen Förderunterricht gehört Nachhilfe bald der Vergangenheit an.
Im gleichen Ausmaß wie bereits im bewährten Modell der Volksschule lernen Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gut miteinander und voneinander. Speziell geschulte Pädagoginnen und Pädagogen gestalten einen möglichst individualisierten Unterricht mit Arbeitssequenzen in Kleingruppen und temporären Lerngruppen, womit eine ideale Förderung jedes Einzelnen angeboten wird.
Nein, nicht im herkömmlichen Sinn der Hauptschule..Allerdings gibt es Lerngruppen zeitlich begrenzt auf besondere Lerninhalte und Aufgaben. Es gibt Formen des Unterrichtens, die in Kleingruppen oder Neigungsgruppen stattfinden können sowie Projektunterricht, Freigegenstände, unverbindliche Übungen, individuelle Zusatzangebote und einen nach modernen pädagogischen Prinzipien gestalteten und bei Bedarf auch verpflichtenden Förderunterricht für Kinder, die Förderungsmaßnahmen benötigen. Das Eingehen auf Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen nennt man auch Differenzierung.
Es gibt Klassenverbände. Aber im Sinne der möglichst guten Individualisierung des Unterrichts wird verstärkt auf innovative Formen des Zusammenarbeitens und der Projektarbeit gesetzt. Kinder arbeiten mit anderen Kindern zu einem bestimmten Thema innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens. Diese Art des Arbeitens ist bereits aus dem Projektunterricht bekannt und soll eine zentrale Rolle spielen. Trotzdem bleibt der soziale Zusammenhalt einer Klasse wichtiger emotionaler Orientierungsrahmen für die Schülerinnen und Schüler. Wichtig ist auch, dass die Lehrenden Teams bilden.
Viele unterschiedliche Methoden und Maßnahmen (Projektarbeiten, Gruppenarbeiten, Exkursionen, Kulturprojekte…) wurden in den letzten Jahren von Wissenschaftern und Lehrerinnen und Lehrern erarbeitet und erprobt und werden nun in der Neuen Mittelschule umgesetzt. Fachwissen und die gesamte Breite persönlicher Kompetenzen werden ebenso vermittelt wie künstlerische Fähigkeiten, handwerkliche Fertigkeiten und Schlüsselqualifikationen, die es Kindern ermöglichen, Eigenverantwortung und Teamarbeit zu lernen.
Beide – und hier liegt ein weiterer großer Vorteil der Neuen Mittelschule – AHS- und Hauptschullehrerinnen und -lehrer arbeiten in Teams. Dadurch profitieren die Schülerinnen und Schüler von dem akademischen Fachwissen der AHS-Lehrerinnen und -Lehrer und der wertvollen pädagogischen Grundausbildung der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer. In einigen Bundesländern arbeiten BHS (Berufsbildende Höhere Schulen)-Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit den Hauptschullehrerinnen und -lehrer.
Grundsätzlich bestehen die 50-minütigen Unterrichtseinheiten weiter. Allerdings wird durch verstärkte Projektarbeit, sportliche Aktivitäten, Kulturprojekte und andere Aktivitäten die „klassische“ Schulstunde durch längere „Blöcke“ ergänzt. Auch können einzelne Fächer zu sogenannten „Flächenfächer“ (Lernfelder) zusammengefasst werden bzw. können alternative Pflichtfächer angeboten werden.
In vielen Fällen ja. Die Nachmittagsbetreuung soll integrativer Bestandteil der Schule sein. Ein qualitativ hochwertiges Angebot mit Freizeitgestaltung, Fördermaßnahmen, Kunst und Kultur-Angeboten sowie Sport macht die Schule zu einem lebendigen Ort. Durch eine möglichst gute Förderung in der Tagesbetreuung soll Nachhilfe bald der Vergangenheit angehören.
Ganztätige Schulformen haben sich für die individualisierte Förderung als besonders geeignet erwiesen.
Hier können wir bereits jetzt auf viele erfolgreiche Organisationsmodelle zurückgreifen. Den Leitfaden des BMUKK zur Tagesbetreuung finden Sie hier zum Download. Prinzipiell sollen (angepasst an die tägliche Leistungskurve der Schülerinnen und Schüler) Unterricht, Freizeit, Lernzeit, Übungszeit, Ruhezeit, Förderunterricht optimal über den Tag verteilt werden. Die Kooperation mit Vereinen (vor allem im Bereich Sport und Kultur) soll auf Basis von Wertschätzung und ohne Konkurrenzdenken organisiert werden – so können viele Potenziale bestmöglich genutzt werden. Die Schultore öffnen sich.
Es gilt der AHS-Lehrplan mit den laut Stundentafel vorgesehenen Fächern. Darüber hinaus können besondere inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden, z. B. Soziales Lernen, Politische Bildung, vermehrte Angebote im naturwissenschaftlichen/technischen Bereich, Sport sowie im Kunst- und Kulturbereich, die auch als Fächer angeboten werden können.
Schularbeiten, Tests und Prüfungen gibt es weiterhin, dazu kommen aber zunehmend individuelle Rückmeldungen an die einzelnen Schülerinnen und Schüler (etwa in Form von verbaler Beurteilung). Auch wird Feedback-Kultur "Schülerinnen und Schüler zu Lehrerinnen und Lehrer" groß geschrieben.
Ja. Diese werden durch zusätzliche zu Leistung anspornende und motivierende Formen der Beurteilung und der detaillierten Leistungsrückmeldung für Schülerinnen und Schüler, aber auch für deren Eltern, ergänzt.
Nicht vollkommen. Es kann aber durch Individualisierung und maßgeschneiderten Förderunterricht weitgehend vermieden werden.
Es gilt: Spitzenleistungen brauchen eine breite Basis. Durch persönliche Entwicklungsdiagnosen wissen die Lehrerinnen und Lehrer, wo Förderung ansetzen soll. Durch individualisierte Lernprogramme, individualisierten Unterricht, sowie Kurse und Neigungsgruppen werden alle Schülerinnen und Schüler nach ihren Begabungen und Talenten bestmöglich gefördert. Durch Leistungsrückmeldungen wird bestmögliches Feedback gegeben. Die Schülerinnen und Schüler lernen auch voneinander.
Es gibt ein Zeugnis der Neuen Mittelschule, in dem die Berechtigungen zum Besuch weiterführender Schulen klar ausgewiesen sind. Im Regelfall ist mit dem Zeugnis der Besuch einer höheren Schule möglich.
Ja! Ziel ist es, längerfristig Übungsräume, Räume für Kleingruppenarbeit und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung sowie attraktivere Arbeitsplätze für Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen. Standortspezifisch werden Raumkonzepte erarbeitet, die auch schulexterne Angebote bestmöglich berücksichtigen (z.B. Theater, Sportplätze etc.).
Durch die Schaffung der gesetzlichen Grundlage für die Einführung der Bildungsstandards im Juli 2008 wird eine objektive Bewertung und Vergleichbarkeit des Leistungsstandes der Schülerinnen und Schüler am Ende der 4. und 8. Schulstufe – vorerst in den Gegenständen Mathematik, Deutsch und Englisch - ermöglicht. Diese werden zur Qualitätssicherung an allen Schulen – auch an den Neuen Mittelschulen - beitragen. Darüber hinaus werden die Neuen Mittelschulen für den gesamten Zeitraum der Modellversuche durch Expertinnen und Experten des Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Schulwesens (BIFIE) wissenschaftlich betreut und evaluiert.
Der Tagesablauf ist so organisiert wie wir ihn auch jetzt schon an vielen Schulen kennen. Der Unterricht ist zeitlich mit dem Stundenplan festgelegt, wird aber durch flexible Unterrichtsformen wie Projektunterricht und Zusatzangebote ergänzt.
Hier gibt es ein vielfältiges Angebot an sportlichen, kulturellen, und künstlerischen Betätigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Angestrebt wird die Einbeziehung von externen Kunst- und Kulturangeboten und der Initiative "Kunst macht Schule".
Motivierte Lehrerinnen und Lehrer sind der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung einer neuen Lernkultur. Sie planen und gestalten den Unterricht gemeinsam in Teams.
Die Pädagogischen Hochschulen legen in der Aus- und Weiterbildung besonderen Wert auf die notwendigen Fähigkeiten im Bereich der sozialen Kompetenz, der Vermittlungsfähigkeit, der Fachdidaktik, der Differenzierung im Unterricht und des Teamteachings. Es gibt ein Begleitangebot für die Lehrerinnen und Lehrer (die NMS-Entwicklungsbegleitung) zur Vernetzung der Neuen Mittelschulen im jeweiligen Bundesland aber auch österreichweit. Lehrerinnen und Lehrer lernen – so wie ihre Schülerinnen und Schüler – voneinander und miteinander und unterstützen sich gegenseitig.
Wir brauchen natürlich angemessene Arbeitsplätze für die einzelnen Lehrpersonen sowie Räumlichkeiten zur bestmöglichen Ausübung der angestrebten Teamarbeit von Lehrerinnen und Lehrern. Diese Verbesserung ist besonders wichtig, denn nur so kann ein optimaler Unterrichtsablauf gewährleistet werden.
Hier wird es in Zukunft sehr viele Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer geben. Eine gemeinsame Grundausbildung mit der Möglichkeit zum Erwerb von Zusatzqualifikationen für alle im Lehrberuf tätigen Menschen auf universitärem Niveau ist das mittelfristige Ziel. Aber bereits in der Übergangsphase wird diesen Lehrpersonen über qualifizierte Fortbildungsmaßnahmen Unterstützung angeboten.